Zum Thema Freihandelsabkommen
Frühere Leserbriefe dazu:
18.6.13 Freunde
machen das nicht (Auszug)
...Und sie schämen
sich auch nicht nun sogar eine Freihandelszone mit den USA anzustreben, was die
totale Kommerzialisierung und das Opfern aller unserer noch verbliebenen Werte,
etwa in Kultur und Landwirtschaft, im Umweltschutz und in den sozialen
Standarts bedeuten würde.
14.2.13 Ende der europäischer Souveränität
Leserbrief zum Bericht "EU und
USA planen weltgrößte Freihandelszone"
Wir dürfen zwar immer mehr Steuer zahlen, bekommen
dafür heute schon praktisch kaum demokratische
Mitbestimmungsmöglichkeit. Wir können nur Parteien wählen, deren Protagonisten
sich beim Politischem Aschermittwoch gerade wieder als Büttenredner gegenseitig
lächerlich gemacht und die selber nichts zu bestimmen haben, denn die
gewichtigen Entscheidungen werden von übernationalen Kremien getroffen oder,
wie bei ESM, von Finanzfachleuten ohne jede politische Legitimation, deren Vita
beinah immer mit Goldman-Sachs verbunden ist. Militärisch werden wir
sowieso schon von den USA gesteuert und unsere Köpfe durch
Hollywood ausgerichtet. Mit der geplanten Freihandelszone würden dann wohl noch
die letzte Reste von Souveränität fallen und die Gen-Produzenten, Chemie-,
Pharmazie-, Rüstungs- und Energiekonzerne könnten ihren Raubtierkapitalismus
vollends auf Europa ausdehnen. Vielleicht soll dann auch der europäische
Banken-Rettungsschirm noch auf Amerika ausgedehnt, alle mühsam erkämpften
sozialen und ökologischen Errungenschaften auf US-Niveau nivelliert werden,
also etwa auf dem Niveau des pazifischen Marianengrabens...
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Zum Thema Globalisierung und Freihandelsabkommen ein Lied aus dem Jahr 2000:
und ein Textauszug dazu aus dem "Leben der Echraner" von 1987
sowie thematisch passend die Parabel von 1983 "Von einem der auszog die Gründe des Hungers zu entdecken"
Gedanken zur Globalisierung
von 2003
Die Idee einer Welt, einer friedlich
zusammenlebenden Menschheit, von Völkern, die ihr buntes Andersein bewahren und
sich doch allesamt den gleichen Grundwerten und Menschenrechten verbunden
fühlen, - von einer sich gleichzeitig vermischenden, multikulturellen
Gesellschaft, in der einer den anderen toleriert und sich an der
Verschiedenheit erfreut, in der es keine Fremdenfeindlichkeit mehr gibt – das ist die Welt, von der viele
von uns träumen und der wir uns annähern sollten.
Doch die Welt ist anders. Die Menschen sind
bequem und sie leben gerne möglichst angenehm. Wenn sie die Wahl haben, wählen
sie die bequemere Arbeit, den milderen Landstrich, den größeren Konsum, das
gesichertere Leben. Und weil die Welt warme und kalte Zonen hat, steinige und
fruchtbare, weil in den Städten die größere Fülle möglich ist, das interessantere Leben- suchen die Menschen das
Unerfreuliche zu vermeiden und streben nach dem Erfreulicheren. Sie denken
dabei nicht an Übermorgen und nicht an ihre Enkel, ja oft nicht einmal an
Morgen, sie sind froh, wenn sie die Gegenwart bewältigen.
Der imperialistische Freihandel, man spricht
heute von Globalisierung, braucht offene Grenzen, offenen Waren und
Menschenfluss. In der Praxis ergeben sich dadurch massive Probleme. Das Geld
geht dorthin, wo es sich am günstigsten produzieren lässt, mit niedrigen
Löhnen, wenig sozialer Absicherung, wenig Umweltschutzauflagen. Die Menschen
dagegen haben den Drang sich dort ansiedeln, wo es sich augenscheinlich am
leichtesten leben lässt – wo man am
meisten verdient, sie wandern also in die gemäßigteren Breiten und dort wiederum in die Städte der reichen
Industrieländer. Geld und Menschen haben also genau gegensätzliche Interessen,
was sich auf Dauer nicht vereinbaren lässt.
Die beschriebene Wanderungsbewegung wäre
allein aus ökologischen Gründen eine Katastrophe. Auch aus sozialer Sicht sind
Zusammenballungen von Menschen Brutstätten von Konflikten. Völkerverständigung
entsteht so auf jeden Fall nicht. Doch auch schon die Angleichung des
Konsumverhaltens des volksreichen Südens an die Verschwendungswirtschaft
des Nordens, könnte die Biosphäre nicht lange verkraften. Man stelle sich nur
vor die 6 Milliarden Menschen würden den gleichen Lebensstil praktizieren wie –
nehmen wir das extremste Beispiel – die US-Amerikaner, sie würden soviel Energie
vergeuden, sie wollten alle fliegen usw. Das würde die Ressourcen in kürzester
Zeit aufbrauchen und die Atmosphäre zerstören. Da man diesen Lebensstil, der
alles andere als vernünftig und erstrebenswert ist, aber nicht einfach der
Mehrheit der Menschen verweigern kann,
müssen wir uns alle einem Lebensstil annähern, den die Erde verkraften kann.
Vermutlich würden wir uns da nicht einmal in der Mitte treffen können, sondern
viel näher am Verbrauch der heute Armen.
Doch der heute dominierende Freihandel
zerstört die alten Kulturen und sozialen Systeme und ersetzt sie durch Kommerz
und Orientierungslosigkeit. Sein größter
Pferdefuß ist aber sein Grundprinzip der Gewinnmaximierung. Nicht die
Versorgung und die Wohlfahrt der Menschen hat er zum Ziel, also nicht Essen,
Wohnung und Arbeitsplätze, sondern nur das Erzielen von Profit für diejenigen,
denen die Produktionsmittel gehören. So wird der Freihandel zu einer schweren
Krankheit, an der die Völker zu Grunde gehen müssen, solange nicht
sie das Ziel des Wirtschaftens sind, sondern nur ein Mittel
zu fremdem Zweck.
siehe auch: Über unser Wirtschaften
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