Leserbrief an PNP zum
Bericht vom "Deutschland hinterläßt zu viele Spuren in der Welt"
Bei den Tieren kann man
es beobachten: Wenn sie die Wahl haben, bevorzugen sie erst den gefüllten
fremden Trog und zur Kotablage die fremde Stallecke. Wir Menschen sind in der
Masse keinen Deut anders, wir grasen fremde Weiden ab und hinterlassen unseren
Dreck in der ganzen Welt. Sind die
meisten Menschen schon unfähig für sich und das eigene Revier Verantwortung zu
übernehmen, wie sollten sie fähig sein verantwortungsvoll über den Äquator zu
sehen?
Unser Wirtschaften wir
heute nicht von Sinn und Nutzen geleitet, sondern alleine von
Gewinnerwartungen. An die Folgen in der Zukunft denkt sowieso keiner, alleine
die heutige Dividende muß stimmen. Die Ausrichtung am "Weltmarkt",
führt zudem zu einer Anpassung auf dem untersten Niveau, ökologisch und sozial,
unser Wirtschaften ist Anarchie.
Die Globalisierung könne man so wenig aufhalten wie den Fluß der Donau,
sagte Siemenschef von Pierer. Sollte dies stimmen, dann wird unser Planet wohl
schon auf mittlere Sicht unbewohnbar, denn man stelle sich vor, dass bei
erfolgreicher Globalisierung einmal über sechs Milliarden Menschen so
verschwenderisch und zerstörerisch leben würden, wie es heute ein paar hundert
Millionen tun. Und selbst wenn die Erde auch dies verkraften und nicht schon an
den Verteilungs-, Religions- und Nationalitätskonflikten zu Grunde gehen würde-
was wäre das dann für eine Welt! Die alten Kulturen und regionalen Märkte wären
zerstört und mc-donaldisiert, die Menschen aus allen schwierigen Landstrichen
geflüchtet und lebten zusammengeballt in riesigen Megastädten, bunt
durcheinandergemischt, was heute schon nirgendwo funktioniert. Und die ganze
Welt würde moralisch bestimmt und geregelt von den "freien Kräften des
Marktes“, also von Gier und Habsucht... Ein Albtraum!
"Wir müssen die Menschen erschrecken!" sagte VW-Chef
Pischetsrieder, und: "Für den Lohn eines deutschen Ingenieuers bekomme ich
sechs chinesische Ingenieure". Damit räumte er faktisch ein, dass das
Gerede der deutschen Wirtschaft über die Senkung der Lohnzusatzkosten und
ähnliches eigentlich nur ein Witz ist, denn es geht nicht um ein paar
Kostensenkungen, sondern um die Angleichung des Lebens- und Sozialstandarts der
Bevölkerung an den der armen Länder.
Pischetsrieders Sprüche zeigen auch die Skrupellosigkeit, die heute in
den Chefetagen der großen Konzerne regiert. Man fühlt sich alleine dem Gewinn
der Aktionäre und dem eigenen verpflichtet, soziale Verantwortung, wie sie
unsere Verfassung fordert, scheint überhaupt keine Rolle zu spielen.
Noch liegen Welten zwischen den Arbeits-und Lohnbedingungen in den
Industrie- und den Entwicklungsländern und eine zu schnelle Angleichung würde
die Welt ins Chaos stürzten. Aber ich bezweifle auch, dass die Wirtschaft diese
Angleichung überhaupt will, denn dann könnte sie die Menschen nicht mehr
gegeneinander ausspielen und ihre Profite würden sinken. Ein Handwerker erzählte
mir kürzlich, dass er die Produkte in seinem Laden zum zehnten Teil dessen in
China kaufe, was ihn dasselbe Produkt aus eigener Werkstatt kosten würde.
Dieses Beispiel belegt, dass die Globalisierung alle gewachsenen Produktions-
und Sozialstrukturen, ja alle damit verbundene Kultur, zerstören muß. In der
Medizin nennt man das, was Menschen schwächt, leiden und sterben lässt, eine
Krankheit. Die Globalisierung ist nur mit einer gefährlichen Pandemie
gleichzusetzen. Und eine Krankheit muß man bekämpfen, wenn man ihr nicht
erliegen will.
Leserbrief an PNP
Immer mehr Waren werden mit immer weniger Menschen produziert. Selbst 2
Prozent Wachstum bringen noch keine neuen Arbeitsplätze. Und doch tischen uns
Politiker noch immer die uralte Mär von der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
durch mehr Wachstum auf, während gleichzeitig der Mensch als Produktionsfaktor
systematisch zurückgedrängt und sein Ersatz durch Maschinen und Automaten
massiv gefördert wird. (Wir finanzieren unser eigenes Schafott).
Spätestens hier verweisen Politiker auf den Zwang zur Globalisierung der
Wirtschaft und die dadurch entstehende Konkurrenzsituation mit
Billiglohnländern, wo ohne soziale und ökologische Rücksicht produziert wird
(häufig sogar durch unsere eigenen Firmen!).
Doch dieser Zwang gehört dringend hinterfragt, denn die
"Globalisierung" ist kein Fortschritt, sondern ein beschönigendes
Wort für einen nie dagewesenen Wirtschaftskrieg, der gegen die allermeisten
Menschen auf dieser Erde und gegen die Natur geführt wird.
Gedanken zur Globalisierung
von 2003
Die Idee einer Welt, einer friedlich
zusammenlebenden Menschheit, von Völkern, die ihr buntes Andersein bewahren und
sich doch allesamt den gleichen Grundwerten und Menschenrechten verbunden
fühlen, - von einer sich gleichzeitig vermischenden, multikulturellen
Gesellschaft, in der einer den anderen toleriert und sich an der
Verschiedenheit erfreut, in der es keine Fremdenfeindlichkeit mehr gibt – das ist die Welt, von der viele
von uns träumen und der wir uns annähern sollten.
Doch die Welt ist anders. Die Menschen sind
bequem und sie leben gerne möglichst angenehm. Wenn sie die Wahl haben, wählen
sie die bequemere Arbeit, den milderen Landstrich, den größeren Konsum, das
gesichertere Leben. Und weil die Welt warme und kalte Zonen hat, steinige und
fruchtbare, weil in den Städten die größere Fülle möglich ist, das interessantere Leben- suchen die Menschen das
Unerfreuliche zu vermeiden und streben nach dem Erfreulicheren. Sie denken
dabei nicht an Übermorgen und nicht an ihre Enkel, ja oft nicht einmal an
Morgen, sie sind froh, wenn sie die Gegenwart bewältigen.
Der imperialistische Freihandel, man spricht
heute von Globalisierung, braucht offene Grenzen, offenen Waren und
Menschenfluss. In der Praxis ergeben sich dadurch massive Probleme. Das Geld
geht dorthin, wo es sich am günstigsten produzieren lässt, mit niedrigen
Löhnen, wenig sozialer Absicherung, wenig Umweltschutzauflagen. Die Menschen
dagegen haben den Drang sich dort ansiedeln, wo es sich augenscheinlich am
leichtesten leben lässt – wo man am
meisten verdient, sie wandern also in die gemäßigteren Breiten und dort wiederum in die Städte der reichen
Industrieländer. Geld und Menschen haben also genau gegensätzliche Interessen,
was sich auf Dauer nicht vereinbaren lässt.
Die beschriebene Wanderungsbewegung wäre
allein aus ökologischen Gründen eine Katastrophe. Auch aus sozialer Sicht sind
Zusammenballungen von Menschen Brutstätten von Konflikten. Völkerverständigung
entsteht so auf jeden Fall nicht. Doch auch schon die Angleichung des
Konsumverhaltens des volksreichen Südens an die Verschwendungswirtschaft
des Nordens, könnte die Biosphäre nicht lange verkraften. Man stelle sich nur
vor die 6 Milliarden Menschen würden den gleichen Lebensstil praktizieren wie –
nehmen wir das extremste Beispiel – die US-Amerikaner, sie würden soviel Energie
vergeuden, sie wollten alle fliegen usw. Das würde die Ressourcen in kürzester
Zeit aufbrauchen und die Atmosphäre zerstören. Da man diesen Lebensstil, der
alles andere als vernünftig und erstrebenswert ist, aber nicht einfach der
Mehrheit der Menschen verweigern kann,
müssen wir uns alle einem Lebensstil annähern, den die Erde verkraften kann.
Vermutlich würden wir uns da nicht einmal in der Mitte treffen können, sondern
viel näher am Verbrauch der heute Armen.
Doch der heute dominierende Freihandel zerstört die alten Kulturen und sozialen Systeme und ersetzt sie durch Kommerz und Orientierungslosigkeit. Sein größter Pferdefuß ist aber sein Grundprinzip der Gewinnmaximierung. Nicht die Versorgung und die Wohlfahrt der Menschen hat er zum Ziel, also nicht Essen, Wohnung und Arbeitsplätze, sondern nur das Erzielen von Profit für diejenigen, denen die Produktionsmittel gehören. So wird der Freihandel zu einer schweren Krankheit, an der die Völker zu Grunde gehen müssen, solange nicht sie das Ziel des Wirtschaftens sind, sondern nur ein Mittel zu fremdem Zweck.
siehe auch: Über unser Wirtschaften