Man solle ab und zu versuchen, sagte Herr Pfifkas
zu seinem Nachwuchs, einen Tag so zu leben, als wenn es der letzte wäre. Die
gegenseitige Wertschätzung unter den Menschen würde dann gewaltig zunehmen.
Erst die Vorstellung, sie nur noch heute sehen, sprechen und lieben zu können,
würde unser Verhalten ihnen gegenüber grundsätzlich verändern.
Von allem würde man mit einem Mal von allem seinen
wahren Wert erkennen. Jede Lebensäußerung, jede Kreatur, jedes Geräusch, jedes
Tun, jede Sinneswahrnehmung würden zur Kostbarkeit. Atmen, trinken, essen,
schlafen, lieben, sich bewegen, sich entleeren - die gewöhnlichsten
Verrichtungen würden durch unsere Vorstellungskraft zum Genuss. Mit einem Male
könne man Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden und kein Mensch ließe
sich mehr seine Zeit stehlen und durch irgendwelche Sachzwänge oder
Gewohnheiten durch die Gegend hetzen. Die Menschen würden sich stattdessen um
ihre Familien und Freunde kümmern und jede Minute mit ihnen wie einen edlen
Tropfen Wein genießen.
"Und wer den Tag genießen lernt, freut sich
auf den nächsten“, sagte Herr Pfifkas, „und er richtet die Welt so ein, dass
sie auch zukünftig ihren Wert behält. Nur wer glaubt immer Zeit zu haben,
verkennt ihren Wert und geht mit ihr entsprechend gedankenlos um.“