Heute leben!

Man solle ab und zu versuchen, sagte Herr Pfifkas zu seinem Nachwuchs, einen Tag so zu leben, als wenn es der letzte wäre. Die gegenseitige Wertschätzung unter den Menschen würde dann gewaltig zunehmen. Erst die Vorstellung, sie nur noch heute sehen, spre­chen und lieben zu können, würde unser Verhalten ih­nen gegenüber grundsätzlich verändern.

Von allem würde man mit einem Mal von allem sei­nen wahren Wert erkennen. Jede Lebensäußerung, je­de Kreatur, jedes Geräusch, jedes Tun, jede Sinnes­wahrnehmung würden zur Kostbarkeit. Atmen, trin­ken, essen, schlafen, lieben, sich bewegen, sich entlee­ren - die gewöhnlichsten Verrichtungen würden durch unsere Vorstellungskraft zum Genuss. Mit einem Ma­le könne man Wesentliches von Unwesentlichem un­terscheiden und kein Mensch ließe sich mehr seine Zeit stehlen und durch irgendwelche Sachzwänge oder Gewohnheiten durch die Gegend hetzen. Die Men­schen würden sich stattdessen um ihre Familien und Freunde kümmern und jede Minute mit ihnen wie ei­nen edlen Tropfen Wein genießen.

"Und wer den Tag genießen lernt, freut sich auf den nächsten“, sagte Herr Pfifkas, „und er richtet die Welt so ein, dass sie auch zukünftig ihren Wert behält. Nur wer glaubt immer Zeit zu haben, verkennt ihren Wert und geht mit ihr entsprechend gedankenlos um.“