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05.10.17 Neue Wege ausprobieren

zu Für die Bayernpartei steht Katalanen wie Bayern das Selbstbestimmungsrecht zu

Zitat „... in der KSZE-Schlussakte ist das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" verankert: "Kraft des Prinzips der Gleichberechtigung und des Selbstbestimmungsrechts der Völker haben alle Völker jederzeit das Recht, in voller Freiheit, wann und wie sie es wünschen, ihren inneren und äußeren politischen Status ohne äußere Einmischung zu bestimmen und ihre politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung nach eigenen Wünschen zu verfolgen."

Klingt vernünftig und human. Doch der Begriff "Volk" wird von Fanatikern in der Eigenschaftsform "völkisch" zum Totschlagargument und Synonym für Rechts oder Rassistisch. Ob es ihnen klar ist, dass sie damit auch die KSZE-Philosophie verunglimpfen?
Die ganze Menschheitsgeschichte galt die Bezeichnung "Volk" immer als etwas Selbstverständliches, für eine Gemeinschaft, die sich zusammengerauft und gemeinsam entwickelt hat, was sich in einer eigenen Sprache niedergeschlagen hat, in Gewohnheiten und Ansichten von Gott und der Welt, und war immer positiv besetzt. Bis - in unserer Hemisphäre die Römer vor 2000 Jahren - für ihr Kolonialreich eine Gliederung der Untertanen als störend empfanden. Alle sollten Römer werden und brav dem Imperium dienen. Dafür brauchte man eine Religion, die alle Menschen vor Gott gleich machte und ihnen im Jenseits Lohn versprach. Im Diesseits blieb man bei der Sklavenhaltergesellschaft, bis die Betriebsumstände freie Taglöhner, die man nur bezahlt, wenn man sie braucht, lukrativer erscheinen ließen. Aber ich schweife ab...

Dann kamen die Internationalisten 2.0, die Kommunisten, die durch die Kampfparolen von der "internationalen Solidarität" und dem "Völker vereinigt euch!" wirksam verhinderten, dass sich dezentrale Formen von Demokratie entwickeln konnten. Die künstliche Frontenbildung zwischen „Proletariern“ und Gewerbetreibenden und die pauschale Verteufelung als „Bourgeois“, brachte uns dorthin, wo wir uns heute befinden: in die Bredouille, in der 1 Prozent internationaler Raubparasiten sich die Welt angeeignet haben. Sie alleine brauchen eine Welt ohne Schlagbäume, in der ihr Kapital frei fließen und sich auf Kosten aller vermehren kann. Man sagt, dass das Kapital arbeiten muss und meint damit die Bevölkerung. Diese Interessen standen hinter der Ballung von Regionen zu Nationen, die man leichter am Nasenring führen kann, als eine Vielzahl relativ autarker Regionen. Die Nationen wurden dann gegeneinander gehetzt, bis sie soweit geschwächt waren, jede weitere Internationalisierung zu akzeptieren.

Ich weiß, das klingt einigermaßen befremdlich, wenn man sich daran gewöhnt hat, die Welt ohne Grenzen als positiven Entwicklungsschritt sehen und womöglich als Synonym für Freiheit. Manche sehen es als Gipfel der Humanität an, wenn sich alle Völker vermischen und farblich und kulturell eins werden. Wenn sich das entwickelt und einvernehmlich aus Zuneigung entsteht, ist das eine begrüßenswerte Sache. Doch wer diesen Prozess durch systematische Propaganda und absichtlich erzeugte Wirren forcieren will, weil er die alten Völker verachtet, ist am Ende mehr Rassist als einer, der sich in seinem vertrauten Schneckenhaus zufrieden fühlt.

„Small ist beautiful“, hieß einmal eine auf drei Worte reduzierte Philososphie, die auf die Anregung des österreichischen Philosophen Leopold Kohr zurückgehen soll. Er hat während des nationalen Wahns und des Völkermordens 1941 die Lösung in einer Regionalisierung Europas gesehen.
Siehe: „Gegen nationalen Wahn, für ein Europa der Kantone“
http://www.zeit.de/1991/43/einigung-durch-teilung

Ob mir Bayern als eigenständiges Land besser gefallen würde, weiß ich nicht. Ich glaube, es wäre immer noch zu groß. Demokratie kann es nur im Überschaubaren, Kleinen geben. Demos soll ja auch nicht Volk heißen, sondern ursprünglich Dorf.

Ich bin mir sicher, dass eine internationale, zentralisierte Demokratie ein Ding der Unmöglichkeit ist, auch wenn uns das die bezahlten Volksverdummer noch immer einzutrichtern versuchen. Ich bin mir aber sicher, jede Zentralisierung ist im Grunde inhuman und gegen unsere Natur. Ja, vielleicht sogar gegen jede Natur, denn in dieser hat sich über Jahrmillionen alleine Dezentralität bewährt. (Den Gedanken habe ich einmal bei Frederik Vester gelesen).

Wir sollten nicht von einem Extrem ins andere fallen. Erst einmal anhalten, neu orientieren und dann vorsichtig den Weg gehen, den man für richtig hält. Wenn er ins Regionale zurückführt, dann aber nicht auf den alten, ausgelatschten Wegen. Wir werden immer wieder querfeldein gehen müssen, wieder stehen bleiben, nachdenken und dann wieder den richtigen Weg suchen. Gewiss, Geschwindigkeitrekorde werden wir dabei nicht aufstellen, aber am Ende unseres Lebens feststellen, dass es ein gutes, weil arbeitsreiches Leben war und zumindest die Richtung gestimmt hat.